Zum Inhalt
GUTE IDEEN HABEN HIER IHREN PLATZ.
vivomarktDEIN MAGAZIN AUS DER SCHWEIZ

Acht Rubriken.
Viele neue Ideen.

Tech

Wie sicher sind digitale Passkeys?

6 Min. Lesezeit

Wie sicher sind digitale Passkeys? Diese Frage stellen sich viele Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz, seit immer mehr Dienste eine Anmeldung ohne klassisches Passwort anbieten. Passkeys versprechen mehr Schutz, weniger Stress mit vergessenen Passwörtern und eine bequemere Nutzung im Alltag. Ganz risikofrei ist aber auch diese Technik nicht. Entscheidend ist, wie Passkeys funktionieren, wo ihre Stärken liegen und worauf man beim Einrichten achten sollte.

Was sind digitale Passkeys?

Digitale Passkeys sind moderne Anmeldeschlüssel, die Passwörter ersetzen oder ergänzen können. Statt ein Passwort einzutippen, bestätigen Sie Ihre Identität meist mit Fingerabdruck, Gesichtserkennung, Geräte-PIN oder einem Sicherheitsschlüssel. Im Hintergrund arbeitet ein kryptografisches Verfahren, das deutlich anders funktioniert als ein normales Passwort.

Bei einem Passwort kennen Sie und der Online-Dienst dasselbe Geheimnis. Wird dieses Geheimnis gestohlen, kann es missbraucht werden. Bei einem Passkey gibt es dagegen ein Schlüsselpaar: einen privaten und einen öffentlichen Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel liegt beim Dienst. Der private Schlüssel bleibt auf Ihrem Gerät oder in einem gesicherten Schlüsselbund.

Wenn Sie sich anmelden, beweist Ihr Gerät, dass es den privaten Schlüssel besitzt. Der private Schlüssel selbst wird dabei nicht übertragen. Genau dieser Unterschied macht Passkeys für viele Anwendungen sicherer als klassische Passwörter.

Wie sicher sind digitale Passkeys im Alltag?

Im Alltag sind Passkeys in vielen Situationen sehr sicher, vor allem im Vergleich zu schwachen oder wiederverwendeten Passwörtern. Sie schützen besonders gut vor Phishing, also vor gefälschten Webseiten, die Zugangsdaten abgreifen wollen. Ein Passkey ist an eine bestimmte Webseite oder App gebunden. Eine betrügerische Kopie kann den Passkey normalerweise nicht einfach verwenden.

Auch Datenlecks verlieren an Wirkung. Wenn bei einem Anbieter Informationen gestohlen werden, liegt dort nicht Ihr privater Schlüssel. Angreifer erhalten also nicht das, was sie für eine Anmeldung bräuchten. Das unterscheidet Passkeys deutlich von Passwortdatenbanken, die trotz Schutzmassnahmen immer wieder ein Ziel für Angriffe sind.

Trotzdem bleibt Sicherheit ein Zusammenspiel. Ein schlecht geschütztes Smartphone, ein schwaches Gerätepasswort oder unachtsamer Umgang mit Wiederherstellungsmethoden kann Risiken schaffen. Passkeys sind stark, aber sie ersetzen nicht jedes Sicherheitsbewusstsein.

Warum Passkeys gegen Phishing helfen

Phishing lebt davon, dass Menschen auf täuschend echte Seiten gelockt werden. Dort geben sie Benutzernamen, Passwörter oder Einmalcodes ein. Passkeys funktionieren anders. Der digitale Schlüssel prüft, ob die richtige Domain oder App angesprochen wird. Passt diese nicht, kommt die Anmeldung nicht zustande.

Das bedeutet: Selbst wenn eine gefälschte Seite optisch perfekt aussieht, kann sie den Passkey nicht einfach nutzen. Das ist ein grosser Vorteil für Konsumentinnen und Konsumenten, die nicht jede Internetadresse im Detail prüfen möchten. Gerade im Alltag, wenn man schnell eine Rechnung bezahlt oder ein Kundenkonto öffnet, ist dieser Schutz wertvoll.

Was passiert bei Geräteverlust?

Ein häufiger Einwand lautet: Was geschieht, wenn das Smartphone oder der Laptop verloren geht? Die Antwort hängt davon ab, wie der Passkey gespeichert wurde. Viele Systeme synchronisieren Passkeys über ein gesichertes Benutzerkonto, etwa zwischen Smartphone, Tablet und Computer. Andere Passkeys bleiben nur auf einem einzelnen Gerät oder auf einem physischen Sicherheitsschlüssel.

Geht ein Gerät verloren, schützt zuerst die Gerätesperre. Ohne PIN, Passwort oder biometrische Freigabe sollte ein Finder den Passkey nicht nutzen können. Wichtig ist aber, das Gerät aus der Ferne zu sperren, wenn diese Funktion verfügbar ist, und die Wiederherstellungsoptionen des betroffenen Kontos zu prüfen.

Die wichtigsten Vorteile gegenüber Passwörtern

Passkeys lösen mehrere Probleme, die bei Passwörtern seit Jahren bekannt sind. Viele Menschen verwenden kurze Passwörter, speichern sie unsicher oder nutzen dasselbe Passwort bei mehreren Diensten. Passkeys machen solche Fehler weniger wahrscheinlich.

Wichtige Vorteile sind:

  • Kein Eintippen geheimer Zeichenfolgen: Sie müssen sich kein komplexes Passwort merken und geben es nicht auf Webseiten ein.
  • Starker Schutz vor Wiederverwendung: Für jeden Dienst wird ein eigener Schlüssel verwendet, nicht ein universelles Passwort.
  • Weniger Nutzen für Datendiebe: Ein gestohlener öffentlicher Schlüssel reicht nicht für eine Anmeldung.
  • Bequemere Anmeldung: Die Freigabe per Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Gerätecode ist oft schneller.
  • Bessere Bindung an echte Dienste: Passkeys sind technisch an die richtige Webseite oder App gekoppelt.

Aus redaktioneller Sicht ist besonders wichtig: Komfort und Sicherheit stehen hier nicht so stark im Widerspruch wie bei vielen älteren Verfahren. Ein sicherer Login kann einfacher werden, nicht komplizierter.

Wo liegen die Grenzen und Risiken?

Passkeys sind kein Zauberschutz. Sie reduzieren bestimmte Risiken deutlich, schaffen aber auch neue Abhängigkeiten. Wer Passkeys nutzt, sollte wissen, wie das eigene Gerät, das Betriebssystem und das Benutzerkonto abgesichert sind.

Ein Risiko liegt in der Kontowiederherstellung. Wenn der Zugang zum Hauptgerät, zur Cloud-Synchronisierung oder zum E-Mail-Konto verloren geht, kann die Wiederherstellung mühsam werden. Manche Dienste bieten Ersatzmethoden an, etwa Einmalcodes, Support-Prozesse oder zusätzliche Geräte. Diese Methoden können aber selbst zum Schwachpunkt werden, wenn sie schlecht geschützt sind.

Auch Schadsoftware bleibt ein Thema. Ein Passkey schützt nicht automatisch vor einem bereits kompromittierten Gerät. Wenn Angreifer Ihr Gerät kontrollieren, können sie möglicherweise Sitzungen missbrauchen oder Aktionen auslösen. Deshalb bleiben Updates, Bildschirmsperre und vorsichtiger Umgang mit Apps wichtig.

Was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in der Schweiz?

In der Schweiz nutzen viele Menschen digitale Dienste für Banking, Versicherungen, Krankenkassen, Online-Shopping und Behördenkontakte. Gerade dort ist sichere Anmeldung wichtig, weil persönliche und finanzielle Daten betroffen sein können. Passkeys passen gut zu diesem Bedürfnis nach Schutz und einfacher Bedienung.

Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten sollten aber darauf achten, welche Wiederherstellungswege ein Dienst anbietet. Bei wichtigen Konten ist es sinnvoll, mehr als ein vertrauenswürdiges Gerät einzurichten, sofern der Dienst dies erlaubt. So bleibt der Zugang auch dann möglich, wenn ein Smartphone ersetzt oder ein Laptop repariert werden muss.

Praktisch ist auch eine klare Trennung: Für weniger kritische Konten genügt oft die normale Passkey-Synchronisierung. Für besonders sensible Zugänge kann ein separater Sicherheitsschlüssel eine zusätzliche Option sein. Entscheidend ist nicht die modernste Lösung, sondern eine verständliche und zuverlässig gepflegte Einrichtung.

So nutzen Sie Passkeys sicher

Passkeys entfalten ihre Stärke am besten, wenn die Umgebung stimmt. Die folgenden Punkte helfen, typische Fehler zu vermeiden:

  • Geräte zuverlässig sperren: Verwenden Sie eine starke Geräte-PIN oder ein gutes Passwort, nicht leicht erratbare Zahlenfolgen.
  • Biometrie bewusst einsetzen: Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sind bequem, ersetzen aber nicht eine solide Gerätesperre.
  • Updates zeitnah installieren: Betriebssysteme, Browser und Apps sollten aktuell bleiben, damit bekannte Sicherheitslücken geschlossen werden.
  • Wiederherstellung prüfen: Kontrollieren Sie, welche E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder Ersatzmethode hinterlegt ist.
  • Mehrere Geräte planen: Richten Sie Passkeys für wichtige Konten auf einem zweiten vertrauenswürdigen Gerät ein, wenn möglich.
  • Geteilte Geräte meiden: Auf fremden oder gemeinsam genutzten Geräten sind Passkeys weniger ideal, besonders bei sensiblen Konten.

Diese Massnahmen sind nicht kompliziert, haben aber grosse Wirkung. Passkeys nehmen Ihnen viel Arbeit ab, doch die Grundsicherheit des Geräts bleibt zentral.

Häufig gestellte Fragen

Sind Passkeys sicherer als Passwörter?

Ja, in vielen Fällen sind Passkeys sicherer als Passwörter, weil kein gemeinsames Geheimnis übertragen wird. Sie schützen besonders gut vor Phishing und vor den Folgen vieler Datenlecks.

Kann jemand meinen Passkey stehlen?

Der private Teil eines Passkeys soll auf dem Gerät oder in einem gesicherten Schlüsselbund bleiben. Ein einfacher Diebstahl wie bei einem Passwort ist deshalb deutlich schwieriger.

Brauche ich mit Passkeys noch eine Zwei-Faktor-Authentifizierung?

Das hängt vom Dienst ab. Passkeys können mehrere Sicherheitsfunktionen kombinieren, doch manche Anbieter verlangen zusätzlich einen weiteren Faktor für besonders sensible Vorgänge.

Was passiert, wenn ich mein Smartphone wechsle?

Bei vielen Systemen können Passkeys synchronisiert oder auf ein neues Gerät übertragen werden. Wichtig ist, vorher die Wiederherstellungsoptionen des jeweiligen Kontos zu kennen.

Sind biometrische Daten bei Passkeys im Internet sichtbar?

Nein, bei der Anmeldung werden normalerweise keine Fingerabdrücke oder Gesichtsdaten an den Dienst gesendet. Die biometrische Prüfung erfolgt lokal auf Ihrem Gerät.

Fazit: Sehr sicher, wenn die Grundlage stimmt

Passkeys sind ein grosser Fortschritt gegenüber klassischen Passwörtern. Sie machen Phishing schwieriger, verringern die Folgen von Datenlecks und erleichtern die Anmeldung. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in der Schweiz bieten sie damit eine sinnvolle Kombination aus Sicherheit und Komfort.

Ganz ohne Verantwortung geht es aber nicht. Geräte müssen geschützt, Wiederherstellungswege gepflegt und wichtige Konten sorgfältig eingerichtet werden. Wer diese Grundlagen beachtet, kann Passkeys mit gutem Gefühl nutzen. Die Antwort auf die Frage „Wie sicher sind digitale Passkeys?“ lautet daher: sehr sicher im Vergleich zu Passwörtern, aber am stärksten im Zusammenspiel mit gut geschützten Geräten und durchdachten Ersatzwegen.