Auf Krücken laufen: Was sollte man beachten? Diese Frage stellt sich oft nach einer Verletzung, Operation oder bei Schmerzen im Bein, Fuss oder Knie. Krücken entlasten, geben Sicherheit und helfen, mobil zu bleiben. Gleichzeitig verlangen sie etwas Übung, denn falsche Höhe, unsicherer Gang oder rutschige Böden können den Alltag erschweren. Wer die wichtigsten Grundregeln kennt, bewegt sich stabiler, schont die betroffene Seite und reduziert das Risiko für Stürze oder Überlastungen.
Auf Krücken laufen: Was sollte man beachten? Die wichtigsten Grundlagen
Krücken sind Hilfsmittel, keine blosse Stütze für zwischendurch. Sie sollen das Körpergewicht teilweise oder vollständig von einem Bein wegnehmen. Entscheidend ist, ob eine Vollbelastung, Teilbelastung oder gar keine Belastung erlaubt ist. Diese Vorgabe hängt von der Diagnose und Behandlung ab.
In der Schweiz werden häufig Unterarmgehstützen verwendet. Sie bestehen aus Griff, Manschette, Schaft und Gummikappe. Alle Teile sollten stabil sitzen. Besonders wichtig ist die Gummikappe am unteren Ende: Ist sie abgenutzt, kann die Krücke auf glatten Böden schneller wegrutschen.
Auch die eigene Tagesform spielt eine Rolle. Müdigkeit, Schmerzen oder Medikamente können das Gleichgewicht beeinflussen. Deshalb ist es sinnvoll, Wege bewusst zu planen und Hektik zu vermeiden.
Die richtige Einstellung der Krücken
Falsch eingestellte Krücken führen schnell zu Verspannungen in Schultern, Nacken, Handgelenken oder Rücken. Die Griffe sollten ungefähr auf Höhe des Handgelenks liegen, wenn die Arme locker neben dem Körper hängen. Beim Gehen bleiben die Ellbogen leicht gebeugt, nicht durchgedrückt.
Die Manschette sitzt am Unterarm und darf weder einschneiden noch zu locker sein. Zwischen Unterarm und Manschette sollte noch etwas Bewegungsfreiheit bleiben. Beide Krücken müssen gleich hoch eingestellt sein, ausser eine Fachperson hat ausdrücklich etwas anderes empfohlen.
Wichtig ist ausserdem geeignetes Schuhwerk. Schuhe mit geschlossener Ferse, rutschfester Sohle und gutem Halt sind deutlich sicherer als Finken, offene Sandalen oder weiche Hausschuhe. Auf nassen Trottoirs, in Treppenhäusern oder in Bahnhöfen kann eine griffige Sohle entscheidend sein.
Eine kurze Kontrolle vor dem Losgehen hilft:
- Sind beide Krücken gleich lang und fest eingerastet?
- Sind die Gummikappen sauber, trocken und nicht stark abgenutzt?
- Sitzt der Schuh stabil am Fuss und bietet genügend Halt?
- Ist der Weg frei von Kabeln, Teppichkanten oder herumliegenden Gegenständen?
Sicher gehen im Alltag
Der sichere Gang mit Krücken hängt stark von der erlaubten Belastung ab. Bei Teilbelastung wird das verletzte Bein nur mit einem bestimmten Anteil des Körpergewichts aufgesetzt. Bei Entlastung bleibt es weitgehend in der Luft. Die genaue Technik sollte zur ärztlichen oder physiotherapeutischen Vorgabe passen.
Gehen auf gerader Strecke
Auf ebenem Boden werden die Krücken meist zuerst nach vorne gesetzt. Danach folgt das betroffene Bein, anschliessend das gesunde Bein. Die Schritte sollten kurz und kontrolliert sein. Zu grosse Schritte erhöhen die Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren.
Der Blick geht nicht ständig auf die Füsse, sondern einige Meter nach vorne. So lassen sich Hindernisse früh erkennen. Gleichzeitig bleibt die Körperhaltung aufrechter. Wer sich stark nach vorne beugt, belastet Schultern und Hände unnötig.
Die Griffe werden fest, aber nicht verkrampft gehalten. Dauerhafter Druck auf die Handballen kann schmerzhaft werden. Kleine Pausen entlasten Hände und Arme, besonders auf längeren Wegen.
Treppen, Randsteine und öffentliche Verkehrsmittel
Treppen verlangen besondere Aufmerksamkeit. Eine einfache Merkhilfe lautet: hinauf zuerst mit dem gesunden Bein, hinunter zuerst mit den Krücken und dem betroffenen Bein. Ein Geländer bietet zusätzliche Sicherheit, wenn es stabil erreichbar ist.
Bei Randsteinen, Tramhaltestellen oder im Bus sollte genügend Zeit eingeplant werden. In Schweizer Städten können nasse Schienen, Pflastersteine oder Laub rutschig sein. Auch im öffentlichen Verkehr ist ein sicherer Stand wichtiger als schnelles Einsteigen. Ruckartige Bewegungen beim Anfahren können das Gleichgewicht stören.
Häufige Fehler und wie sie sich vermeiden lassen
Viele Schwierigkeiten entstehen nicht durch die Krücken selbst, sondern durch Gewohnheiten. Wer zu schnell läuft, die Krücken zu weit nach vorne setzt oder sich stark auf eine Seite lehnt, wird unsicher. Auch das Tragen schwerer Taschen kann problematisch sein.
Typische Fehler sind:
- Die Krücken sind zu hoch eingestellt, wodurch die Schultern hochgezogen werden.
- Die Griffe sind zu tief, sodass der Rücken rund wird.
- Das betroffene Bein wird stärker belastet als erlaubt.
- Nasse Gummikappen werden auf glatten Böden nicht beachtet.
- Beide Hände sind mit Taschen belegt, statt die Krücken sicher zu führen.
Praktisch sind ein Rucksack oder eine Umhängetasche mit wenig Gewicht. Getränke sollten gut verschliessbar sein. In der Wohnung helfen freie Laufwege, gutes Licht und rutschfeste Matten im Bad. Lose Teppiche sind ungünstig, weil Krückenspitzen daran hängenbleiben können.
Schmerzen in Händen, Achseln, Schultern oder Rücken sind ein Hinweis, die Technik zu prüfen. Krücken sollten nicht unter den Achseln eingeklemmt werden. Das Körpergewicht wird hauptsächlich über Hände und Arme geführt, nicht über empfindliche Nervenbereiche.
Belastung, Schmerzen und Sicherheit
Beim Auf Krücken laufen ist Geduld wichtig. Der Körper muss sich an die neue Belastung gewöhnen. Arme und Schultern leisten plötzlich mehr Arbeit als üblich. Leichter Muskelkater kann vorkommen, starke Schmerzen oder Taubheitsgefühle sind jedoch nicht einfach normal.
Die erlaubte Belastung sollte nicht eigenmächtig geändert werden. Auch wenn es nach einigen Tagen besser geht, braucht verletztes Gewebe Zeit. Umgekehrt kann zu viel Schonung den Gang unsicher machen und andere Körperbereiche überlasten. Ein klarer Belastungsplan hilft, die Balance zu finden.
Bei Schwindel, zunehmender Schwellung, neuen Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Unsicherheit auf Treppen ist eine medizinische Einschätzung sinnvoll. Das gilt besonders nach Operationen oder bei bestehenden Erkrankungen, die Gleichgewicht, Kreislauf oder Kraft beeinflussen.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch müssen Krücken eingestellt sein?
Die Griffe liegen idealerweise etwa auf Höhe der Handgelenke, wenn die Arme locker hängen. Beim Gehen bleiben die Ellbogen leicht gebeugt. So können Arme Kraft übertragen, ohne Schultern und Rücken unnötig zu verspannen.
Welche Seite wird mit der Krücke zuerst bewegt?
Meist werden beide Krücken zuerst nach vorne gesetzt, dann folgt das betroffene Bein und danach das gesunde Bein. Die genaue Reihenfolge hängt aber von der erlaubten Belastung und der persönlichen Gangschule ab.
Darf man mit Krücken Treppen steigen?
Ja, sofern Kraft, Gleichgewicht und medizinische Vorgaben es zulassen. Hinauf führt normalerweise das gesunde Bein, hinunter gehen Krücken und betroffenes Bein zuerst. Ein Geländer erhöht die Stabilität deutlich.
Warum schmerzen die Hände beim Gehen mit Krücken?
Die Hände tragen plötzlich viel Gewicht, besonders bei Teil- oder Vollentlastung. Schmerzen entstehen oft durch verkrampftes Greifen, falsche Höhe oder zu lange Gehstrecken ohne Pause. Gepolsterte Griffe können entlasten.
Sind Krücken bei Schnee und Regen sicher?
Bei Nässe, Schnee und Eis steigt die Rutschgefahr deutlich. Gummikappen müssen intakt und sauber sein, Schuhe brauchen gute Sohlen. Glatte Flächen, nasses Laub und vereiste Randsteine sollten besonders vorsichtig betreten werden.

